Laserdistanzmessungen im Entwässerungsstollen Brienz (GR)

Laserdistanzmessungen im Entwässerungsstollen Brienz (GR)

Laserdistanzmessungen im Entwässerungsstollen Brienz (GR)

Rutschungen in Brienz (GR) – eine Region im Ausnahmezustand

Das Bergdorf Brienz im Kanton Graubünden steht exemplarisch für die Herausforderungen, die durch instabile Hänge und Rutschungen in den Alpen entstehen. Seit Jahren ist das Dorf von einer der grössten und aktivsten Grosshangbewegungen (einer permanenten Rutschung) im Alpenraum betroffen, die vom Maiensässgebiet über Brienz (ca. 1’800 m ü.M.) bis an die Albula (ca. 870 m ü.M.) reicht. Die Rutschung umfasst eine Gesamtfläche von ca. 2.4 Quadratkilometer und ein Volumen von knapp 170 Mio. Kubikmeter  (Entwässerungsstollen Rutschung Brienz, Rutschung Brienz/Brinzauls (GR): Geologisch-kinematisches und hydrogeologisches Modell).
Immer wieder drohen massive Felsstürze, wie zuletzt im Mai 2023, als 1.2 Millionen Kubikmeter Gestein nur knapp am Dorf vorbeirutschten. Die Bevölkerung musste mehrfach evakuiert werden, und die Gefahr bleibt akut. Aktuell herrscht für das Dorf und die Umgebung ein Betretungsverbot (Info Brienzer Rutsch). Solche Naturereignisse sind lebensgefährlich können nicht nur Sachschäden verursachen, sondern auch das Sicherheitsgefühl und die Lebensgrundlage der Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigen. Die Ursachen sind vielfältig: Neben geologischen Faktoren spielen auch der Klimawandel (erhöhte Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster) eine Rolle, da Starkregen und schmelzende Gletscher die Instabilität der Hänge verstärken.

Umweltmonitoring als Schlüssel zur Risikominimierung

Um in gefährdeten Gebieten wie Brienz (GR) Risiken frühzeitig zu erkennen und Schäden zu verhindern, ist ein umfassendes Umweltmonitoring unerlässlich. Moderne Monitoring-Systeme liefern kontinuierlich Daten zu Bewegungen im Untergrund (Seismik, Distanzmessungen etc.), Wasserhaushalt (Abfluss, Pegel, Grundwasser, Bodenfeuchte, Niederschlag), Wetter (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Niederschlag) und weiteren Umweltparametern. In der Schweiz werden dazu verschiedene Technologien eingesetzt: von klassischen Messstationen über Satelliten- und Drohnendaten bis hin zu automatisierten Sensoren, die beispielsweise Lawinen, Gletscherbewegungen oder Hangrutschungen überwachen. Solche Systeme ermöglichen es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Massnahmen einzuleiten – etwa Evakuierungen, bauliche Schutzmassnahmen oder Entwässerungen.

Pilotprojekt der inNET: Laserdistanzmessungen im Entwässerungsstollen Brienz (GR)

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden im Entwässerungsstollen von Brienz (GR) innovative Laserdistanzsensoren installiert. Diese Sensoren messen kontinuierlich die Bewegungen innerhalb des Stollens und übertragen die Daten drahtlos in Echtzeit zu enviroNET. Die Sensoren sind kostengünstig, energieeffizient und erlauben eine wartungsarme Überwachung auch an schwer zugänglichen Orten. Sie sind batteriebetrieben und können mehrere Jahre ohne Batteriewechsel betrieben werden, was die Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlichen Systemen deutlich senkt. Das System befindet sich aktuell in der Erprobungsphase und wird laufend optimiert, um die Zuverlässigkeit und Aussagekraft der Daten weiter zu steigern. Damit leistet das Pilotprojekt einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Brienz (GR) und dient als Vorbild für Monitoring-Lösungen in anderen gefährdeten Regionen.