Ungenügende Luftqualität gefährdet auch in der Zentralschweiz Gesundheit und Umwelt

 

Die Luft betrifft uns alle. Wir atmen sie ein, Tag für Tag, Atemzug um Atemzug. Dabei ist die Luftverschmutzung weltweit eines der grössten Umweltprobleme, mit negativen Folgen für Mensch und Natur.

 

Wir rauchen jeden zweiten Tag unfreiwillig eine Zigarette

Luftverschmutzung verursacht, gemäss einer im Sommer 2018 veröffentlichen Studie[1], weltweit 4.5 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr. «Glücklicherweise sind wir in der Schweiz meilenweit von Zuständen, wie sie beispielsweise in China oder Indien vorherrschen, entfernt», sagt Christian Ruckstuhl, Geschäftsleiter der inNET. «Trotzdem ist auch hier in der Schweiz die Situation nicht unbedenklich.» In der Schweiz ist die Luftverschmutzung gemäss einer Studies des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE)[2] für den vorzeitigen Tod von zirka 3’000 Personen pro Jahr verantwortlich. Zum Vergleich: Im Schweizer Strassenverkehr sterben pro Jahr etwa 300 Personen. Ein interessanter Vergleich ist vor Kurzem in Berkeley Earth erschienen:[3] Die Studie berechnet die Schadstoffexposition in Städten, denen die Bewohner täglich ausgesetzt sind und rechnet diese in Anzahl Zigaretten um. Im europäischen Vergleich schneiden die Schweizer Städte gut ab. Dennoch wird in einer Schweizer Stadt etwa jeden zweiten Tag indirekt eine Zigarette «geraucht».

Feinstaub, Russ und Stickoxide sind besonders gesundheitsschädlich und führen zu Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, sowie vermutlich zu weiteren Gesundheitsfolgen wie Diabetes und Atemwegsallergien. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Personen oder Menschen mit einer vorbestehenden Krankheit der Atemwege oder des Herz-Kreislaufsystems. Der Gesetzgeber legt im Umweltschutzgesetz (USG) fest, dass gerade auch auf diese Personengruppen besonders Rücksicht zu nehmen ist.

 

Luftverschmutzung reduziert Zentralschweizer Artenvielfalt

Nebst den Menschen wirken sich Luftschadstoffe auch negativ auf Pflanzen, Böden und empfindliche Ökosysteme aus. Naturnahe Wiesen, Wälder und Moore können übermässige Stickstoffeinträge langfristig nicht verkraften. Der Stickstoff-Eintrag versauert und überdüngt die Böden. Dies vermindert das Wurzelwachstum der Bäume, wodurch Wälder weniger widerstandsfähig gegenüber Stürmen, Frost, Trockenheit und Schädlingen werden.

Mit der Überdüngung der Böden nimmt auch die Artenvielfalt in empfindlichen Ökosystemen ab. Susanne Bieri, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der inNET, hat die Ammoniakmessdaten der Zentralschweiz statistisch analysiert und in einem Messbericht veröffentlicht. Sie meint: «In der Zentralschweiz liegen die Ammoniakimmissionen an vielen Standorten deutlich über den von der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) definierten kritischen Grenzen.»

Das Wauwiler Moos, der Glaubenberg oder das Gebiet um das Rothenturmer Hochmoor: Für den Schutz solcher ökologisch sensitiver Gebiete wurden von den Kantonen Luzern und Zug Massnahmenpläne festgelegt, um die Werte zu senken. «Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung», sagt Bieri. «Es bedarf aber noch weiterer Massnahmen, um die gesetzten Minderungsziele zu erreichen.» Dafür braucht es ausserdem exakte Informationen über die Qualität der Luft, damit die Behörden die richtigen Entscheidungen treffen können.

 

inLUFT-Messnetz verbessert Luftqualität

Im Auftrag von Bund und Kantonen betreibt die inNET deshalb verschiedene Messnetze zur Langzeitüberwachung der Schadstoffbelastung in der Luft. Die Messungen liefern wichtige Datengrundlagen über den aktuellen Zustand sowie die zeitliche Entwicklung der Luftverschmutzung. Die Messdaten sind unter www.inluft.ch öffentlich zugänglich.

Die inLUFT-Messdaten sind eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung von Plänen, welche die Luft reinhalten. Christian Ruckstuhl meint: «Unsere Kurz- und Langzeitmessungen an verschiedenen Orten in der Zentralschweiz zeigen, dass insbesondere im Bereich der Russbelastung grosser Handlungsbedarf besteht. Dank der neusten Generation von online Russmessgeräten kann inNET fossile von nicht-fossilen Russquellen unterscheiden. Dies ist wichtig, um Massnahmenpläne mit grösstmöglichem Nutzen zu erstellen.» Das inLUFT-Messnetz trägt somit indirekt zur Verbesserung der Luftqualität in der Zentralschweiz bei.

 

[1] Lelieveld, J., Haines, A. and Pozzer, A.; Age-dependent health risk from ambient air pollution: a modelling study of childhood mortality in middle and low-income countries, The Lancet Planetary Health, 2018

[2] Externe Effekte des Verkehrs 2010, Schlussbericht zuhanden des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), 2014

[3] Muller, R. and Muller E.; Air Pollution and Cigarette Equivalence, 2018, http://berkeleyearth.org/air-pollution-and-cigarette-equivalence/